Der Blick nach vorn: Die Digitalisierung erfolgreich nutzen

07 September, 2016

Digitalisierung ist das große Zukunftsthema in allen Branchen. Auch im Gesundheitswesen nimmt sie Fahrt auf. Die Herausforderungen sind aber groß. Das PwC-Frauennetzwerk women&healthcare griff dieses Thema deshalb bei seinem zweiten Treffen im Juni auf und lotete die Chancen und Risiken neuer Informations- und Kommunikationstechnologien aus.

Im Gespräch mit Corinna Friedl, Expertin bei PwC im Bereich Gesundheitswesen, und Sevilay Huesman-Koecke, Expertin bei PwC im Bereich Gesundheitswesen und Pharma

Wie groß ist das Potenzial der Digitalisierung im Gesundheitswesen tatsächlich?

Sevilay Huesman-Koecke: Die Chancen, die sich gerade im Healthcare-Bereich eröffnen, sind enorm: Vor allem chronisch kranke und alte Menschen lassen sich mit den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien engmaschiger betreuen. Den Versicherten könnte die Digitalisierung viele Laufereien ersparen, dem Gesundheitswesen Kosten. Diese und weitere Themen haben wir auf dem zweiten Netzwerktreffen von women&healthcare im Juni in Berlin diskutiert. Wie die Digitalisierung im Gesundheitsbereich erfolgreich genutzt werden kann, ist vor allem eine Frage, die auf Führungsebene diskutiert werden muss.

Corinna Friedl: Die Damen, die Mitglied in unserem Netzwerk sind, haben allesamt leitende Positionen inne und sind hier deshalb besonders gefragt. Bei unseren Diskussionen hat sich gezeigt, dass gerade der Datenschutz ein wichtiges Thema ist und die Möglichkeiten der Digitalisierung häufig vor diesem Hintergrund diskutiert werden. Den Datenschutz mit dem enormen Potenzial der Digitalisierung zu vereinen, ist eine Herausforderung sowohl für die Pharmabranche als auch für Einrichtungen des Gesundheitswesens. Natürlich müssen sensible persönliche Daten vor Missbrauch geschützt sein. Aber z.B. Arztpraxen könnten moderne Kommunikationstechnologien ganz unkompliziert nutzen, um für effizientere Praxisabläufe oder einen besseren Service für ihre Patienten zu sorgen.

Wie haben Sie sich bei dem Netzwerktreffen mit dem Thema auseinandergesetzt? 

Corinna Friedl: Zunächst hat die Schirmherrin unseres Netzwerkes Annette Widmann-Mauz, die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit, in das Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen eingeführt. Dabei betonte sie, dass Frauen digitale Innovationen nicht nur anwenden, sondern an ihrer Gestaltung aktiv mitwirken sollen. Unsere Moderatorin Prof. Dr. Lilia Waehlert von der Hochschule Fresenius hat dann aufgezeigt, was unter dem Begriff eHealth zu verstehen ist und welche Aspekte darunter fallen. Mit dem interaktiven Computerspiel‚ Game Of Threats ‘ haben wir uns dann konkret dem Thema Cyber-Security zugewandt.

Huesman-Koecke: Bei diesem Spiel werden zwei Teams gebildet, wovon eines die Cyber-Sicherheit eines Unternehmens gewährleisten muss, während das andere diverse Cyber-Attacken auf das Unternehmen ausübt. Beiden Seiten stehen verschiedene Handlungsoptionen zur Verfügung. ‚Game Of Threats‘ wurde von PwC extra dafür entwickelt, um Unternehmen mit diversen Sicherheitskonzepten vertraut zu machen. Die Teilnehmerinnen erhielten an diesem Tag so einen Eindruck, wie Angriffe auf Firmennetzwerke ablaufen, und konnten Reaktionsmöglichkeiten testen – denn nur wer Risiken kennt, kann Schritte zum besseren Schutz einleiten. Zudem haben wir einen Workshop zum Thema „Sicherheitskultur in Unternehmen“ vorbereitet, indem es hauptsächlich um den Mitarbeiter als Risiko für Cyber-Attacken ging.

Wie beurteilen Sie die Risiken von Attacken aus dem Internet?

Sevilay Huesman-Koecke: Internetkriminalität ist zweifellos eine Gefahr, die größer wird. Da haben es Firmen nicht nur mit einzelnen Hackern zu tun, sondern möglicherweise mit Kreisen der Organisierten Kriminalität. Cybersicherheit muss deswegen ein Thema sein, das auf der Agenda von Unternehmen ganz oben steht. Trotzdem muss man die Relationen im Blick behalten: Trotz wachsender Gefahren aus dem Netz überwiegen in Unternehmen heute noch die Fälle klassischer Wirtschaftskriminalität. Mehr als die Hälfte der Fälle geht auf interne Täter zurück. Insofern ist die unternehmensinterne Sicherheitskultur ein zentraler Baustein der Präventionsarbeit. Deshalb haben wir uns bei unserem Netzwerktreffen im Rahmen des Workshops mit diesem Aspekt gesondert auseinandergesetzt.

Wird sich women&healthcare auch zukünftig dem Thema Digitalisierung zuwenden?

Corinna Friedl: Ja, das haben wir fest vor. Bei unserer Veranstaltung im Juni haben wir uns dem Teilaspekt Cyber-Security gewidmet, das Thema Digitalisierung umfasst aber natürlich sehr viel mehr. Deshalb haben wir beschlossen, daraus eine Themenreihe zu machen und in den kommenden Veranstaltungen weitere Teilaspekte zu beleuchten. Bei dem nächsten Netzwerktreffen am 07. November sind wir beim Fraunhofer-Institut in München zu Gast und beschäftigen uns mit neuen Geschäftsmodellen im Gesundheitswesen am Beispiel digitaler Startups. Vertreter von Startups sind eingeladen, ihre Geschäftsmodelle dort vorzustellen. Im März 2017 sind wir dann in Frankfurt und wenden uns dem Thema Big Data zu.

Huesman-Koecke: Langfristig planen wir, regionale Netzwerktreffen zu etablieren, die dann von den Teilnehmerinnen in Eigenregie organisiert werden. So besteht für unsere Mitglieder die Möglichkeit, sich noch regelmäßigerer auszutauschen. Außerdem können bei regionalen Treffen Themen diskutiert werden, die gerade für bestimmte Standorte besondere Relevanz besitzen. Deutschlandweit möchten wir uns weiterhin zwei Mal im Jahr an treffen. Um Damen aus unterschiedlichen Regionen anzusprechen, findet neben den jährlichen Veranstaltungen in Frankfurt jedes zweite Treffen an wechselnden Orten in Deutschland statt.

women&healthcare ist ein berufliches Frauennetzwerk. Welche Ziele verfolgen Sie neben dem fachlichen Austausch außerdem?

Huesman-Koecke: Neben dem fachlichen Austausch geht es um die gezielte Vernetzung weiblicher Führungskräfte untereinander. Damit soll die berufliche Position sowie die Einflussmöglichkeiten von Frauen in der Gesundheitswirtschaft nachhaltig gestärkt werden. Wir möchten den Teilnehmerinnen die Chance geben, ihr Branchenwissen zu erweitern und sowohl fachlich als auch hinsichtlich weiterer Karriereschritte voneinander zu lernen.

Corinna Friedl: Außerdem arbeiten wir gerade an einem Mentoren-Konzept, um junge Frauen gleich zu Beginn einer Karriere im Gesundheitsbereich zu begleiten und gezielt zu fördern. Eine Umfrage von PwC aus dem Jahr 2015 hat gezeigt, dass Frauen in der Gesundheitswirtschaft mit 33 Prozent gut vertreten sind, auf der oberen Führungsebene jedoch nur 15 Prozent des Personals ausmachen. Diesen Anteil möchten wir mit women&healthcare deutlich erhöhen. 

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