Mit der richtigen Strategie zur nachhaltigen Wertschöpfung

Nationale Kreislaufwirtschafts-strategie: Was jetzt zählt

Mann am Laptop zwischen Pflanzen auf Büroterasse
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  • 3 Minuten Lesezeit
  • 17 Jul 2024

Etwa 22,5 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle fielen 2023 in Deutschland an, hiervon wurden etwa 56 % recycelt – bei der Recyclingquote ist also noch Luft nach oben. Das gilt auch für die Umstellung auf eine ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft, die den Rohstoffverbrauch und den Ausstoß von Treibhausgasen senkt. Die Bundesregierung hat nun den ersten Entwurf einer Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) vorgelegt.

Ein wichtiger Schritt, um die deutsche Wirtschaft bis 2045 unabhängig von globalen Lieferketten zu machen und so auch geopolitische Spannungsfelder abzufedern. Die NKWS soll dabei helfen, die Umweltbelastung zu reduzieren, Biodiversität zu stärken und den Klimaschutz voranzutreiben. Für Unternehmen ist nun der Startschuss gefallen, sich aktiv auf das Gesetz vorzubereiten.

Das Wichtigste
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  • Die Wertschöpfungskette der Zukunft ist ein immerwährender Kreislauf: Die NKWS fördert den Gedanken einer ganzheitlichen Zirkularität.
  • Unternehmen, die aktiv ihre Transformation vorantreiben, können frühzeitig Kosten einsparen und ihre Emissionen deutlich reduzieren.
  • Dieser wesentliche Umschwung gelingt denen am besten, die frühzeitig die Weichen stellen und strategische Partnerschaften über Industrien hinweg etablieren.

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Emanuel Chibesakunda ist Partner, Circular Economy, Nachhaltigkeitsberatung bei PwC Deutschland

Emanuel Chibesakunda
Partner, Circular Economy, Nachhaltigkeitsberatung bei PwC Deutschland
Tel.: +49 175 3516769
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Vorzeitig handeln und Prozesse ganzheitlich denken

Wer nachhaltig wirtschaften möchte, kommt nicht daran vorbei, sich aktiv mit Lösungen der Kreislaufwirtschaft zu beschäftigen. Schließlich lassen sich entlang der gesamten Wertschöpfungskette Ressourcen und damit auch Treibhausgasemissionen einsparen. Unternehmen sind nun gefordert, alle Phasen der Wertschöpfung neu zu denken: von der Produktgestaltung und Produktion über den Verbrauch und die Reparatur bis hin zur Abfallbewirtschaftung und zu den sekundären Rohstoffen, die sich wiederverwerten lassen.

Beim Entwurf der NKWS geht es insbesondere darum, den primären Rohstoffverbrauch durch effiziente Nutzung, Recycling und Wiederverwendung zu senken. Ein Weg, um die entstehenden Emissionen bei der Produktion von beispielsweise Aluminium, Kunststoffen oder Beton zu reduzieren, ist der vermehrte Einsatz von Sekundärrohstoffen – also recycelten oder wiederverwendeten Materialien. Entsprechend wird beispielswiese die Materialbeschaffung schon bald durch steigende Rezyklateinsatzquoten bestimmt. Hier sind Unternehmen im Vorteil, die sich frühzeitig um zirkuläre Materialien bemühen.

Mehr als nur Recycling

Für eine erfolgreiche Umsetzung der NKWS sollten Unternehmen eine ganzheitliche Herangehensweise verfolgen, die alle Aspekte der Produkt- und Servicegestaltung mit einschließt. Produkte sollten sich leicht reparieren oder wiederverwenden lassen, modular – mit austauschbaren oder ergänzenden Komponenten – aufgebaut sein und so eine längere Lebensdauer aufweisen. Kurz gesagt, die wesentlichen R-Strategien anwenden: Re-Use, Re-Manufacturing, Repair, Refurbishment und Recycling.

Um die Transformation auch finanzieren zu können, sieht die NKWS die Kombination verschiedener Mechanismen vor. Rohstofffonds sollen das nachhaltige Ressourcenmanagement unterstützen und ein flankierendes Zertifikatehandelssystem jene Unternehmen belohnen, die einen höheren Rezyklatanteil als vorgegeben erreichen. Zusätzlich werden staatliche Anschubfinanzierungen zur Rückgewinnung kritischer Rohstoffe und Technologiemetalle bereitgestellt – für ein qualitativ hochwertiges Recycling.

Auch die EU wird private Investitionen zusätzlich fördern: Die Joint Initiative on Circular Economy (JICE) stellt öffentliches Risikokapital bereit und die Europäischen Fonds für Strategische Investitionen (EFSI) sollen das Finanzrisiko reduzieren.

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Überblick verschaffen und zum Vorreiter werden

Für eine erfolgreiche Umsetzung der NKWS müssen Unternehmen ihre eigene Strategie definieren. Dazu sollten sie im ersten Schritt die Stoffströme ihres Geschäftsmodells sorgfältig dokumentieren. Welche Rohstoffe werden verwendet? Aus welcher Quelle stammen sie? Wie hoch sind der Energieverbrauch und die Emissionen, die während der Produktion entstehen? Welche Abfälle entstehen nach dem Gebrauch der Produkte? Wie lassen sie sich wiederverwenden, recyceln oder umweltgerecht entsorgen? Diese Analyse schafft eine gesicherte Basis, um die Materialflüsse entlang des gesamten Lebenszyklus zu verstehen und gezielt Verbesserungen zu identifizieren.

Im zweiten Schritt ist es wichtig, zirkuläre Strategien festzulegen. Sie sind eine Möglichkeit, um die eigenen Circular-Economy- und Net-Zero-Ziele zu konkretisieren und daraus Transformationspläne für eine erhöhte Nutzung von Sekundärmaterialien und eine signifikante Abfallvermeidung abzuleiten.

Abschließend müssen Unternehmen ihre Handlungsmaßnahmen bepreisen und in Zusammenarbeit mit ihren Partnern entlang der Wertschöpfungskette schrittweise umsetzen. Es ist unerlässlich, dass alle Beteiligten hier zusammenarbeiten, um einen effektiven Wandel herbeizuführen. Der ganzheitliche Ansatz hilft allen Akteuren gleichermaßen, nachhaltiger zu wirtschaften und so nicht nur ökologische Vorteile zu erreichen, sondern auch langfristig die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

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Simon Kehrer

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