Zunehmende Sektorkonvergenz und konsequente Ausrichtung auf Wertschöpfung

Optimistische M&A-Aussichten 2025 für Private Capital in Deutschland

Businessleute in Meeting in modernem Büro
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  • 8 Minuten Lesezeit
  • 27 Feb 2025

Für 2025 erwarten wir einen weiteren Anstieg und eine Beschleunigung der globalen M&A-Aktivitäten im Segment Private Capital. Dieses Wachstum wird angetrieben durch gesunkene Finanzierungskosten, einen Anstieg des für Investitionen zur Verfügung stehenden Kapitals, weitere Börsenbelebung und einen höheren Bestand an Private-Equity(PE)-Portfoliounternehmen, die zum Verkauf stehen. Hohe Bestände des investierbaren Kapitals (Dry Power) und der Rückstau bei den Exits werden Nachfrage und Angebot im M&A-Markt deutlich ankurbeln und das Transaktionsgeschehen in diesem Jahr positiv beeinflussen.

In Deutschland wird es mehr M&A-Möglichkeiten geben, da sich große Unternehmen zunehmend auf ihre Kernaktivitäten konzentrieren und ihre Portfolios optimieren, indem sie wesentliche Geschäftsbereiche zum Verkauf ausgliedern. Unter dem wachsenden Druck, Portfoliogesellschaften zu veräußern, die aufgrund ungünstiger wirtschaftlicher Bedingungen länger gehalten wurden, und mit Exit-Multiplikatoren, die sich weiterhin unterhalb ihres Höchststands bewegen, wird es in diesem Jahr vor allem auf Wertschöpfung in den Portfolios und Disziplin bei der Investitionsstrategie ankommen. Private-Capital-Investoren werden in puncto Disziplin einen Zahn zulegen und sich stärker auf operative Transformationen konzentrieren, um die hohen Einstiegspreisbewertungen der Vergangenheit zu rechtfertigen sowie weiterhin eine ebenso gute Rendite zu erzielen.

Hohe Bewertungen und die verlangsamte Zinssenkung werden PE-Fonds dazu drängen, bei ihren Investitionsentscheidungen Disziplin zu wahren, operative Transformationen umzusetzen und den Fokus klar auf Wertschöpfung zu legen. Ein weiterer aufkommender Trend ist die Sektorkonvergenz bei M&A-Transaktionen. Immer häufiger sehen wir Investitionen von Private-Capital-Investoren in Unternehmen und Projekte, die mehrere Branchen umfassen, beispielsweise Infrastruktur, Energie und Technologie. Dieser Trend wird vom zunehmenden KI-Einsatz befeuert. Schlüsselsektoren, auf die Investoren ihren Fokus richten, vernetzen sich dank KI-Technologie immer stärker, so etwa Rechenzentren, Energieerzeugung und andere digitale Infrastruktur.

Schließlich erwarten wir auch eine weitere Konsolidierung in der Private-Capital-Branche, da die größeren Marktteilnehmer versuchen, ihr Portfolio in allen Anlageklassen mit Eigen- wie auch Fremdkapital auszubauen. Megafonds vergrößern sich weiter durch Akquisitionen und erweitern ihr Produktangebot um Bereiche wie Infrastruktur und Private Credit. Während die größten Fonds weiter wachsen, wird es für mittelgroße Fonds immer schwieriger, neue Investitionen zu tätigen, wenn sie kein Alleinstellungsmerkmal vorweisen. Manager kleinerer und mittelgroßer Fonds müssen eine Spezialnische finden, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

European PE Deals by volume and deal value (€bn), 2019-2024

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Steve Roberts
Leiter Private Equity bei PwC Deutschland und auf EMEA Ebene
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Der Aufschwung im M&A-Markt für Private Capital gewinnt weiter an Dynamik

Nach einem signifikanten Anstieg der Transaktionsaktivitäten in den Jahren 2020 und 2021, dem Höhepunkt der Pandemie, verringerten sich Volumen und Wert der M&A-Aktivitäten privater Investoren in Deutschland 2022 erheblich und blieben in den Folgejahren auf diesem niedrigen Niveau – nicht zuletzt bedingt durch die steigenden Zinssätze, eine begrenzte Kapitalverfügbarkeit sowie ungünstige geopolitische und makroökonomische Bedingungen. Im letzten Quartal 2023 begannen die Transaktionswerte im Private-Equity-Bereich wieder zu steigen, wenngleich diese Entwicklung nicht linear verlief und es gegen Ende des dritten Quartals 2024 zu einem leichten Rückgang kam. Dieser erste Aufwärtstrend befördert die Branche im Jahr 2025 auf einen Kurs mit stärkerem Aufwind und neuer Dynamik, auch wenn im Markt noch Nervosität wegen möglicher Zinssenkungen, politischer Entwicklungen und wirtschaftlicher Aussichten herrscht.

DACH Private Equity deals by volume and deal value (€bn), 2019-2024

Die Halteperioden von Portfoliounternehmen haben sich weiter verlängert, da die Unternehmen aufgrund ungünstiger makroökonomischer Bedingungen länger unverkauft blieben. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass PE-Gesellschaften in den letzten Jahren Continuation Funds (Fortsetzungsfonds) eingesetzt haben, um gebundenes Kapital an die Limited Partners zurückzugeben. Continuation Funds sind zu einem wichtigen Bestandteil des Sekundärmarkts geworden; sie verschaffen bestehenden Investoren Liquidität und eröffnen Ausstiegsmöglichkeiten für Vermögens¬werte. Allerdings verloren sie 2024 wieder etwas an Bedeutung.

Die Zahl der Börsengänge (IPOs) normalisiert sich weiter, was ihre wichtige Rolle als Ausstiegsweg für PE-Firmen unterstreicht. Im vergangenen Jahr veräußerten mehrere PE-Firmen ihre Portfoliogesellschaften durch IPOs, darunter CVC (Douglas, 890 Millionen Euro), BC Partners (Springer Nature, 600 Millionen Euro) und Triton (Renk, 405 Millionen Euro). Dieser Trend wird voraussichtlich auch 2025 anhalten.

Fazit

Die hier beschriebenen Trends werden sich mit großer Wahrscheinlichkeit auf die Dealaktivitäten der Private-Capital-Investoren 2025 auswirken. Wir erwarten, dass die M&A-Aktivitäten in Deutschland zunehmen und an Dynamik gewinnen, auch wenn dieser Anstieg aufgrund geopolitischer Faktoren, nationaler politischer Agenden und der Ungewissheit über das Zinssenkungstempo möglicherweise nicht gleichmäßig verläuft. Private-Capital-Investoren werden weiterhin nach Möglichkeiten suchen, zusätzlichen Wert aus hochwertigen Vermögenswerten zu erzielen und die Wertschöpfung in ihren Portfolios voranzutreiben.

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Steve Roberts

Steve Roberts

Partner, PE Leader Germany & EMEA, PwC Germany

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