Technologie-IPOs 2015: Europa hängt sogar die USA ab

24 Februar, 2016

Drei der fünf größten globalen Börsengänge kamen 2015 aus Europa / Scout24, Siltronic und Windeln.de bestätigen die starke Entwicklung in Deutschland / Vertrauen in die Internetbranche trotz der jüngsten Marktturbulenzen ungebrochen / Pipeline für 2016 gut gefüllt

Das bemerkenswerte Comeback der Technologie-IPOs in Deutschland hält an. Im Jahr eins nach den Börsengängen von Zalando und Rocket Internet schafften es 2015 mit Scout24, Siltronic und Windeln.de erneut drei hiesige Tech-Firmen aufs Parkett. Mit einem Gesamtvolumen von 2,1 Milliarden Dollar trugen die deutschen Neulinge entscheidend dazu bei, dass der europäische Technologiesektor seine stärkste Bilanz seit einem Jahrzehnt hinlegte (11 Milliarden Dollar), wie der „Global Technology IPO Review“ von PwC zeigt. Besonders markant: Drei der weltweit fünf Börsengänge mit einem Umfang von mehr als einer Milliarde Dollar kamen aus Europa – nämlich der britische Zahlungsdienstleister Worldpay (3,8 Milliarden Dollar), das ebenfalls britischen Internetportal  AutoTrader (2,4 Milliarden Dollar) und eben Scout24 (1,5 Milliarden Dollar).

„Die Beispiele zeigen, dass speziell in der Onlinebranche unheimlich viel Dynamik herrscht. Legt man die vergangenen fünf Jahren zugrunde, kommen im Technologiesektor inzwischen rund 35 Prozent aller IPO-Erlöse aus der Internetindustrie“, sagt Werner Ballhaus, der Leiter des Technologiebereichs von PwC in Deutschland. Auffällig: Selbst in der jüngsten Baisse haben sich junge Internetaktien wie Zalando oder Scout24 vergleichsweise gut gehalten. PwC-Kapitalmarktexperte Oliver Gruss ist darum zuversichtlich, dass sich der positive Trend bei Tech-IPOs fortsetzen könnte: „Natürlich drücken die aktuellen Marktturbulenzen auf die Stimmung. Sobald sich die Lage allerdings beruhigt, stehen die Chancen für weitere Börsengänge nicht schlecht. Das Vertrauen der Investoren in die Internetbranche jedenfalls scheint ungebrochen – und IPO-Kandidaten gibt es genug.“

Weitere Ergebnisse der Studie im Überblick:

  • Leichter Rückgang im Vergleich zu 2014: Global gesehen blieb das IPO-Volumen im Technologiebereich zwar hinter dem Rekordjahr 2014 zurück – das war nach dem Megabörsengang von Alibaba allerdings auch nicht anders zu erwarten. Bereinigt um den IPO des chinesischen Internetriesen betrug das Minus gerade einmal acht Prozent. Alles in allem gab es 92 Erstnotizen zu verzeichnen, die Erlöse summierten sich auf 27,1 Milliarden Dollar.
  • USA nur knapp vor UK: Geographisch gesehen, strichen US-Technologiefirmen das meiste Kapital ein (8,4 Milliarden Dollar), allerdings kamen ihnen die britischen Unternehmen ungewöhnlich nahe (7,8 Milliarden Dollar). In China kühlte die IPO-Stimmung dagegen merklich ab: Shenzen kam auf ein Volumen von 1,5 Milliarden Dollar, Shanghai musste sich gar mit 437 Milliarden Dollar begnügen.
  • Diesmal keine Mega-IPOs: Dass die Megabörsengänge 2015 ausblieben, hatte auch damit zu tun, dass speziell in den USA viele junge Technologiefirmen ungewöhnlich hohe außerbörsliche Finanzierungen erhielten. Die Zahl der sogenannten Unicorns, also Firmen, die auch ohne IPO auf eine Milliardenbewertung kamen, stieg rasant an. So erweiterte sich der „Einhorn-Club“ allein im vierten Quartal um zwölf Unternehmen mit einem Gesamtwert von 36 Milliarden Dollar.

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Werner Ballhaus

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