Vier Maßnahmen für 2025, mit denen die operative Umsetzung der Energiewende effizienter wird

Die Energiewende wird teurer, wenn wir warten

  • Artikel
  • 14 Minuten Lesezeit
  • 27 Mrz 2025

Die Energiewende ist in der öffentlichen Wahrnehmung immer mehr zu einem wohlstandsvernichtenden Monster geworden. Verbraucher, Investoren, Erzeuger und Versorger stehen vor so großen Herausforderungen bei der Umsetzung, dass manche rückwärtsgewandte Idee näher scheint als der Weg nach vorne. Dieser Artikel stellt die aus unserer Sicht drängenden Maßnahmen zusammen, mit denen Entscheider in Politik und Regulierung kurzfristig die Weichen für eine positive, weil in ihrer operativen Umsetzung wirksame Energiewende stellen sollten.

Es gilt insgesamt, entschlossene Maßnahmen umzusetzen, um die operative Umsetzung nicht zu bremsen. Die Folgen einer energiepolitischen „Entscheidungspause“ sind nach unserer Einschätzung und aus den Erfahrungen der bisherigen Erfolge in der Transformation unserer Energiesysteme deutlich teurer.

Die neue Bundesregierung spielt hier – selbstverständlich gemeinsam mit der Bundesnetzagentur (BNetzA) – die entscheidende Rolle, um die Energiewende wieder zu dem zu machen, was sie ist: Eine Jahrhunderttransformation zur Absicherung unseres Wohlstands.

Energiewende als Chance begreifen

Inmitten multipler globaler Krisen steht die Energiepolitik vor einer komplexen Herausforderung: Viele Themen der Energiewende wurden in den letzten Jahren zerredet und in einigen Fällen so schnell vorangetrieben, dass die operative Umsetzung im Erleben der Menschen nicht mehr positiv ist.

Offensichtlich gibt es keinen schnellen Weg zurück, und selbst wenn man darin eine positive Wirkung vermutet, würden die wahrnehmbaren Effekte einer Rückkehr zur Atomenergie viele Legislaturperioden dauern.

Es ist wichtig, den bereits zurückgelegten Weg der Energiewende nicht zu vergessen. Schließlich stammte der in Deutschland erzeugte Strom im Jahr 2024 zu 63 % aus erneuerbaren Energiequellen und entgegen der gefühlten öffentlichen Wahrnehmung sinken die Strompreise für Industrie und Privathaushalte nach dem Ukraine-Schock seit zwei Jahren kontinuierlich.

Die Energiewende bietet auch weiterhin große Chancen, ein signifikanter Wohlstandstreiber zu sein – wenn wir die administrative Komplexität meistern und die begonnenen und langlaufenden Prozesse weiterhin entschlossen vorantreiben. Mindestens sollten die Grundbausteine Smart Metering, Zugang zu und Ausbau der Netze sowie Speicher effizient und kostengünstig fortgeführt werden. Idealerweise könnten neue Impulse zu Energie, Wärme und Mobilität den öffentlichen Diskurs ergänzen.

Das Fazit aus unseren Erfahrungen bei den öffentlichen und privaten Energieversorgungsunternehmen lautet einigermaßen eindeutig: Prozesse und Genehmigungen müssen beschleunigt werden, die Digitalisierung ist konsequent fortzusetzen und die vorhandenen Ressourcen sind effizienter einzusetzen. Aus operativer Sicht erscheint es von zentraler Bedeutung, schnell (und damit meinen wir noch im Jahr 2025) einige Entscheidungen zu treffen, um teuren Stillstand zu vermeiden.

Ein Beispiel ist das Kraftwerkssicherheitsgesetz, das durch die alte Bundesregierung nicht mehr verabschiedet wurde. Bis 2030 oder 2038, beides ist „extrem ambitioniert“, soll der Kohleausstieg erfolgen. Um nicht auf riskante Experimente mit wenig erforschten Technologien zu setzen, ist es aus praktischer Sicht unumgänglich, neue Gaskraftwerke zu bauen, die wasserstofffähig sind. Diese Kraftwerke dienen nicht nur der Versorgungssicherheit, sondern lösen auch eine positive Wirkungskette für eine effizientere Energiewende aus. Am Ende dieser Wirkungskette stehen mehr erneuerbare Energien und ein flexibleres Stromsystem. Der Betrieb dieser Kraftwerke schafft zudem einen stabilen Bedarf an Wasserstoff und hilft, den alternativlosen Wasserstoffmarkt zu etablieren. Die Verabschiedung des Kraftwerksicherheitsgesetzes schafft daher Verlässlichkeit an einer Stelle, an der langfristige und teure Investitionsprozesse schnell in Gang gesetzt werden müssen.

Technologie-agnostische Gesetzgebung und Regulierung beschleunigen die Energiewende

Nur dort, wo der Markt an seine Grenzen stößt, sollte reguliert werden. Diese „Weisheit“ betonen wir, weil die Akteure insbesondere bei der Digitalisierung, einem weithin vernachlässigten, aber zentralen Baustein der Energiewende, die Chance erhalten müssen, eigene Lösungen zu entwickeln, bevor die Regulierung den Innovationsprozess bremst.

Gesetzgebung und Regulatorik tragen aus Sicht der „Operations“, also dem operativen Betrieb der energiewirtschaftlichen oder energietechnischen Prozesse, aktuell in mehreren Zukunftsbereichen gleichzeitig zu teuren Verzögerungen und Stresssituationen bei.

Betroffen sind z. B. der Ausbau des Stromnetzes, die Implementierung intelligenter Messsysteme und die Integration von Energiespeichern. Dies wird häufig durch zu starke Fokussierung auf bestimmte Technologien und konkrete Prozesse sowie durch einerseits unnötig frühe und andererseits zu langsame Eingriffe in den monopolistischen Teil des Energiemarkts ausgelöst. Hinzu kommen eilige punktuelle und technologie-spezifische Förderungen, deren operative Umsetzung die letzten freien Kapazitäten gerade so lange bindet, dass die kontinuierliche Bearbeitung der Grundzutaten einer wirtschaftlichen Energiewende in ungünstigster Weise unterbrochen wird.

Da die Abhängigkeiten in der Energiewirtschaft komplex sind, möchten wir hier die vier aus unserer Sicht drängendsten Handlungsfelder darstellen, bei denen umgehend und technologieoffen große Vorteile für das Gelingen der Energiewende erzielt werden können.

Vier Handlungsfelder helfen der Energiewende in 2025 zu mehr Effizienz und damit zu höherer Akzeptanz

Effizienzsteigernde Entscheidungen müssen jetzt getroffen werden

Die Energiewende braucht kurzfristig entschiedene, technologieoffene und wirtschaftlich tragbare Entscheidungen.

Es ist jetzt wichtig, pragmatische und sichtbare Impulse zu setzen, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen. Eine Verzögerung, etwa aufgrund von politischen Erwägungen, verschärft aufgrund der langen Entscheidungsräume die Kostensituation. Der gefühlte Energiepreis ist aktuell eben genau das: ein Gradmesser für die Wirksamkeit der Politik.

Die komplexen Herausforderungen der Energiewende können aktuell durch einen Fokus auf wenige, aber grundlegende operative Hemmnisse verbessert werden. Effiziente Prozesse und konsequente Digitalisierung fördern den Erfolg und die Wahrnehmung. Dabei gibt es einerseits Themen, in denen der Regulierer Vereinfachungen anbieten muss, um den Akteuren der Branche die Möglichkeit zu geben, schneller in die Umsetzung zu gelangen. Auf der anderen Seite hat die Energiebranche selbst viel Potenzial und Kompetenz für die Umsetzung komplexer Vorhaben, insbesondere hinsichtlich der Digitalisierung. Diese Marktmechanismen zuzulassen, wird entscheidende Effizienzen heben.

Die vier vorgestellten Handlungsfelder halten wir für essenziel, um die Energiewende im Jahr 2025 in die richtige Richtung zu lenken, ohne sie abzubremsen oder einseitige Lösungen zu forcieren.


Das Team Energy Operational Excellence von PwC berät Energieversorgungsunternehmen mit ganzheitlichen Ansätzen von der operativen Strategie bis zur Umsetzung digitaler Konzepte. Konsequenz in der Zielverfolgung und Konsistenz im Detail sind gemeinsam mit modernsten Methoden und höchster fachlicher, regulatorischer und technischer Kompetenz unser Beitrag zum Erfolg der Energiewende.

Die Autor:innen

Alexander Bräuer
Alexander Bräuer

Partner, PwC Germany

Fouad El-Haddouchi
Fouad El-Haddouchi

Associate, PwC Germany

Hannes Scholz

Associate, PwC Germany

Follow us